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EPD: Eine neue Kultur der Zusammenarbeit

Bundesrat Alain Berset hat es sich auf die Fahne ge­schrie­ben, die Gesundheitskosten zu senken. Eine Ex­per­ten­gruppe hat daraufhin eine Liste von 38 wirksamen Mög­lich­keiten erstellt. Entnehmen Sie dem beiliegenden Fakten­blatt Details bezüglich Zusammensetzung, Aufgaben und Re­sul­tate der Expertengruppe.
 

Eine neue Kultur der Zusammenarbeit
Bild-Quelle: ehealthsuisse

Den gleichnamigen Artikel «Mehr als nur eine Kostenfrage» finden Sie in OTXWORLD Nr. 147, Februar 2017. > Magazin-Archiv
 

Informationsbroschüre

Das elektronische Patientendossier: Meine Gesundheitsinfos. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

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EPD: Meine Gesundheitsinfos. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
 

Ob Rezept, Röntgenbild oder Austrittsbericht des Spitals: All dies soll künftig elektronisch erfasst und ausgetauscht werden. Das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPD) verpflichtet Spitäler und Heime, auf elektronische Patientendossiers umzustellen. Die Übergangsfrist für Spitäler dauert bis 2020, diejenige für Heime bis 2022. Für alle anderen Akteure im Gesundheitswesen – beispielsweise Apotheker oder Hausärzte – ist die Teilnahme fakultativ. Doch auch für sie hätte eine Umstellung viele Vorteile. So würde ein Apotheker oder ein behandelnder Arzt künftig immer sofort über alle wichtigen Informationen verfügen, ohne sich erst die Krankengeschichte oder Rezepte auf dem Postweg besorgen zu müssen. «Das elektronische Patientendossier wird mir eine tiefere Einsicht in die gesundheitliche Verfassung meines Kunden ermöglichen, denn ich erfahre auch Informationen von anderen Gesundheitsfachpersonen, die sich um meinen Kunden kümmern», sagt Roman Schmid, Geschäftsinhaber der Bellevue Apotheke in Zürich und Mitglied des Ofac-Verwaltungsrats. Ofac ist die Berufsgenossenschaft der Schweizer Apothekerinnen und Apotheker und hat mit der Unterstützung von pharmaSuisse das digitale Gesundheitsnetzwerk Abilis ins Leben gerufen. Abilis ist eine sogenannte Stammgemeinschaft, das heisst eine privatöffentliche Gemeinschaft, welche Eröffnungen, Support und Verwaltung von EPD anbietet. Ebenfalls auf nationaler Ebene angesiedelt ist die AD Swiss, eine Gemeinschaft, die von der Ärztekasse ins Leben gerufen worden ist. Alle anderen Gemeinschaften sind in regionalen Vereinen organisiert. Roman Schmid ist überzeugt, durch das EPD die Medikamentenabgabe sicherer gestalten, die Nebenwirkungen besser überwachen und den Behandlungsverlauf näher verfolgen zu können. «Dank einer besseren Kenntnis des Gesundheitszustands wird die Beratung noch individueller und passender», sagt Roman Schmid.

Behandlungskette wird optimiert

«Das EPD ist eine wunderbare Gelegenheit für die Apotheke, ihre Kompetenzen im Bereich der Behandlung hervorzuheben und sich an der Verbesserung und Optimierung der Behandlungskette eines verantwortungsbewussten Patienten zu beteiligen», sagt Roman Schmid. Es biete eine einmalige Chance für Apotheken, andere digitale Gesundheitsleistungen anzubieten, die den heutigen Erwartungen eines Patienten entsprächen. «Das EPD ergänzt das Know-how und den Mehrwert einer Gesundheitsfachperson, die den Patienten bei seiner Behandlung begleitet, mit den Vorteilen der digitalen Technologie», sagt Roman Schmid weiter. Die Zugänglichkeit und Verfügbarkeit von wichtigen Gesundheitsdaten würden so enorm verbessert – unabhängig davon, ob sich der Patient gerade in der Apotheke, zu Hause, im Büro oder im Urlaub befinde. «Das Patientendossier stellt eine Erweiterung unserer Tätigkeit und unserer Betreuung dar, die von unseren Kunden geschätzt werden wird», ist sich der Apotheker sicher.

Freiwilligkeit als oberstes Gebot

Auch Adrian Schmid von eHealth Suisse ist überzeugt, dass die Patientensicherheit mithilfe des EPD erhöht werden kann. «Wichtige Informationen sind so immer und überall verfügbar, also auch in einer Notfallsituation», sagt er. Der Informationsaustausch wird verbessert und doppelte Abklärungen können vermieden werden. Das EPD ist für die Patientinnen und Patienten freiwillig. Sie entscheiden, ob sie ein Dossier wollen oder nicht und sie verwalten das Dossier selbstständig. Mehr noch: «Die Patienten können auch einzelne Informationen ausblenden», sagt Adrian Schmid. Mit der aktuellen gesetzlichen Grundlage bleibt das EPD freiwillig und niemandem soll ein Nachteil daraus erwachsen, wenn sie oder er dies nicht möchte. «In Österreich erhalten alle automatisch ein EPD. Wer kein Dossier möchte, kann sich über ein Portal abmelden – bisher haben das aber nur drei Prozent den Menschen getan», so Adrian Schmid.

Für ihn sei es wichtig, dass das Dossier nach der Einführung rasch mit Leben gefüllt werde, denn erst an konkreten Beispielen zeigen sich die Vorteile. «Dies ist zum Beispiel bei älteren Menschen der Fall, die aus dem Spital entlassen werden. Mit dem EPD sind sowohl Arzt als auch Spitex und Apotheke für die Nachversorgung auf dem neuesten Stand», sagt er. Möchte jemand ein EPD eröffnen, braucht es dazu eine sogenannte Elektronische Identität, deren Vorgaben der Bund definiert hat. Das heisst, man geht zu einem Mitglied einer Stammgemeinschaft (beispielsweise eine Apotheke) und lässt dort ein Dossier eröffnen. Per Unterschrift bestätigt man, dass man alles, was mit dem EPD zusammenhängt, verstanden hat. Dann wird eine elektronische Identität eröffnet. Die Post, die Swisscom und die SBB bieten bereits solche E-IDs an, die auch für das EPD benutzt werden können. «Wahrscheinlich werden im Zusammenhang mit der E-ID SMS-gestützte Apps in den Einsatz kommen wie man sie auch jetzt bereits vom E-Banking her kennt», sagt Adrian Schmid. So kann viel zur Sicherheit und zum Persönlichkeitsschutz beigetragen werden. Denn gerade die Sicherheit ist es, die viele Menschen noch am EPD zweifeln lässt. «Zu dieser Sicherheit trägt zum einen bei, dass die Daten per Gesetz in der Schweiz gelagert werden müssen und zum anderen, dass die Daten nicht zentral, sondern, dort, wo die Daten abgelegt worden sind, gespeichert werden», erklärt Adrian Schmid. Diese dezentrale Datenablage sei wesentlich sicherer als ein zentraler Datentopf.

Kein nationales Grossprojekt

Die Gemeinschaften, welche das EPD anbieten, sind privatrechtliche Organisationen, die sich selber finanzieren müssen. Für die Infrastruktur des EPD stehen 30 Millionen Franken vom Bund zur Verfügung. Die Gemeinschaften können dort Finanzhilfe beantragen. «Die Betriebskosten müssen allerdings anders finanziert werden», sagt Adrian Schmid. Das EPD ist kein zentrales Grossprojekt, sondern eine Vernetzung von regionalen Umsetzungen. Somit sind Private oder Kantone dafür verantwortlich. Seine Unternehmung, eHealth Suisse, übernimmt dabei die Aufgabe der nationalen Koordination.

«Eine Kostensenkung für das Gesundheitswesen ist beim EPD-Projekt ein mittelfristiger Aspekt. Zuerst einmal ist es eine Investition», sagt Adrian Schmid. Es brauche Zeit, damit sich das Ganze einspielen könne. Denn das EPD sei mehr als eine Datenablage: «Es ermöglicht eine ganz neue Kultur der Zusammenarbeit zwischen Behandelnden und ihren Patienten.» Ursprünglich ging eHealth Suisse davon aus, dass das EPD in einigen Regionen bereits ab Mitte 2018 eingeführt werden kann. Doch war dieses Ziel zu ambitiös. Alles hat ein bisschen mehr Zeit gebraucht als gedacht. Beispielsweise die Bildung der Stammgemeinschaften und Gemeinschaften. Es handelt sich ja um etwas ganz Neues und das Gesetz über das EPD ist erst im April 2017 in Kraft getreten. Drei Jahre Zeit bleiben bis zur Umsetzung, also bis April 2020. «Alle arbeiten zurzeit auf Hochtouren daran, dass erste Projekte ab Mitte 2019 zur Verfügung stehen», sagt er. Wichtig sei aber, dass das EPD bei der Einführung eine reife Lösung sei.

> patientendossier.ch

Den gleichnamigen Artikel «EIne neue Kultur der Zusammenarbeit» finden Sie in OTXWORLD Nr. 147, Februar 2017. > Magazin-Archiv

 


Das EPD-Gesetz

Der Bundesrat hat den Entwurf des Bundesgesetzes über das elektronische Patientendossier und die entsprechende Botschaft am 29. Mai 2013 ans Parlament überwiesen. Die Förderung elektronischer Gesundheitsdienste (E-Health) und insbesondere des elektronischen Patientendossiers ist ein wesentliches Element der Strategie «Gesundheit2020» des Bundesrates. Mit dem elektronischen Patientendossier sollen die Qualität der Behandlungsprozesse verbessert, die Patientensicherheit erhöht und die Effizienz des Gesundheitssystems gesteigert werden.

Lesen Sie passend dazu unseren Artikel «Offene Ohren für das EPDG» in der OTXWORLD Nr. 113, Februar 2015. > Magazin-Archiv
 

Erklärende Kurzfilme über das elektronische Patientendossier

 

Video-Quelle: ehealthsuisse

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