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OTXWORLD Plus

Was bringt Hustensaft wirklich?

Eine aktuelle Studie der Uni­ver­sität Basel und des Univer­sitäts­spitals Basel kam zu dem Ergebnis, dass Husten­medizin bei subakutem Husten keine eindeutige Wirkung zeigt. Was bedeutet dies für Fach­personen? OTXWORLD fragt nach bei dem Studien­leiter PD Dr. Lars G. Hemkens vom Institut für Klinische Epide­miologie und Biosta­tistik am Universi­täts­spital Basel. Text: Vivien Wassermann

Husten

Welche sieben Wirkstoffe wurden in Ihrer Untersuchung analysiert? Gab es Unterschiede zwischen den Substanzen bzgl. der Wirksamkeit und der Nebenwirkungen? 
Lars G. Hemkens: Es wurden Studien zu Montelukast, Salbutamol plus Ipratropiumbromid, Gelatine, Fluticasone propionate, Budesonid, nociception opioid 1 receptor agonist und Codein gefunden. Insgesamt ist die Datenlage sehr begrenzt und die Substanzen wurden in den Studien nicht direkt verglichen, sodass sich auch keine verlässlichen Aussagen zu Unterschieden machen lassen.

In der Erkältungszeit suchen täglich viele Menschen mit Husten eine Apotheke oder Drogerie auf. Zu welchem Vorgehen würden Sie dem Fachpersonal aufgrund Ihrer Studienergebnisse raten?
In unserer Untersuchung wurde subakuter Husten untersucht, also Husten, der seit drei Wochen oder länger anhielt. Diese Hustenform ist klar abzugrenzen vom akuten Husten, welcher gleich zu Beginn oder innert weniger Tage nach dem Beginn einer Erkältung oder Influenza einsetzt. Wir würden empfehlen, dass sich das Fachpersonal an entsprechenden evidenzbasierten Behandlungsempfehlungen und Patienteninformationen orientiert und vor allem auch nachfragt, wie lange der Husten schon andauert.

Wird ihr Wunsch nach einer Arznei abgelehnt, fühlen sich Patienten womöglich unverstanden und sind enttäuscht. Wie können Ärzte und Apotheker dies vermeiden?
Ein gutes Gespräch mit einer ausführlichen Aufklärung über die Vorteile, Nachteile und Alternativen zu einer Behandlung und den natürlichen Verlauf der Erkrankung ist immer unverzichtbar. Dies erfordert entsprechende Zeit. In dem Gespräch sollte der Patient ausreichend Gelegenheit haben, seine Sorgen und Vorstellungen zu äussern. Zu einem solchen Gespräch gehört auch, dass man es dem Patienten ehrlich sagt, wenn man nicht weiss, welche Behandlung die beste ist. Unsere Resultate können Hausärzten auch helfen, dies leichter zu kommunizieren. Wir denken, dass Ehrlichkeit Vertrauen schafft und Patienten dies auch sehr zu schätzen wissen.

Was machen Sie selbst, sollte der subakute Husten Sie allzu sehr quälen?
Ich würde vermutlich Tee trinken, den ich auch sonst gut vertrage.

Wie ist die Idee zur Untersuchung entstanden?
Jeweils gegen Ende der kalten Jahreszeit ist die hausärztliche Sprechstunde hochfrequentiert von Patientinnen und Patienten, welche sich mit subakutem Husten – er hält mehr als drei und weniger als acht Wochen an – vorstellen. Die Patienten wünschen dann jeweils eine effektive Therapie, welche den länger dauernden und lästigen Reizhusten möglichst schnell beendet. Eine Umfrage bei Hausärzten ergab, dass das verschriebene Therapiespektrum sehr breit war, was für eine gewisse Unsicherheit bezüglich möglicher Therapieoptionen sprach. Deswegen wollten wir – gemäss Evidenz-basierter Medizin – genau wissen, welche Therapieform(en) wirklich eine klinisch relevante Verbesserung bringt und durchforsteten die Literatur nach randomisiert-kontrollierten Studien. Das Resultat war grundsätzlich überraschend.

Wo liegen mögliche Schwächen der Studie?
Die methodische Qualität und die Art, wie die Ergebnisse berichtet wurden, war bei den Studien teilweise sehr eingeschränkt. Dies ist sehr unerfreulich, aber leider ein sehr weit verbreitetes Problem. Auch wurden die Studien sehr unterschiedlich durchgeführt. Zum Beispiel wurden unterschiedliche «Scores» benutzt, um den Husten zu klassifizieren und diese Klassifizierung wurde zu verschiedenen Zeitpunkten durchgeführt. Dies trägt weiter zur Unsicherheit bei der Interpretation bei.
 

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