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Wichtige Sturzprävention

Je älter wir sind, desto höher ist das Risiko, im All­tag zu stürzen. Die Fol­gen können fatal sein: Ver­lust an Mobili­tät, an Selbst­ständigkeit, Tod. Dabei könnten viele der Stürze vermieden werden. Wie, darüber informieren Prä­ven­tions­kampagnen wie die der Beratungs­stelle für Unfall­ver­hütung bfu. 

 

Sturzprävention

Den ergänzenden Artikel «Wichtige Sturzprävention» finden Sie in OTXWORLD Nr. 157, Januar 2019.  > Magazin-Archiv

 
«Der Sturz ist der häufigste Unfallhergang zu Hause, im Garten und im Freizeitbereich. Jährlich verletzen sich rund 280‘000 Personen durch Stürze auf gleicher Ebene, auf einer Treppe oder aus der Höhe», informiert die Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu. Bei Menschen über 65 Jahre machen Stürze 83% aller Unfälle aus. Bei den über 70-Jährigen ist die Hälfte bereits einmal oder mehrmals gestürzt. «Gerade bei älteren Erwachsenen wiegen die Folgen von Sturzunfällen besonders schwer», hält die bfu fest.
 
Gefürchtet sind Hüftfrakturen bzw. Oberschenkelhalsfrakturen: «Denn 10 bis 20 Prozent der älteren Leute sterben im ersten Jahr nach ihrer Hüft­fraktur, 50 Prozent verlieren deutlich an Mobi­li­tät und 30 Prozent verlieren ihre Selbst­ständig­keit», so Prof. Heike Bischoff-Ferrari in einem Interview mit OTXWORLD.
 

Die Sturzgefährdung einschätzen

Ob ein erhöhtes Sturzrisiko besteht, lässt sich anhand von Checklisten ermitteln. Zu den Risikofaktoren zählen:
 
  • ein Sturz innerhalb der letzten 12 Monate
  • eine Gehhilfe wie Rollator oder Stock zu benützen oder sie empfohlen bekommen zu haben
  • Angst vor Stürzen
  • Unsicherheit beim Gehen
  • das Sich-Festhalten an Möbeln beim Herumgehen in der Wohnung
  • Schlaf- und Beruhigungsmittel, Medikamente gegen Depressionen, hohen Blutdruck, Diuretika, Abführmittel
  • Mühe, von einem Stuhl aufzustehen
  • Mühe, eine Stufe – z.B. bei einem Trottoir – zu überwinden
  • der Drang, schnell ein WC aufsuchen zu müssen
  • traurig oder deprimiert zu sein
Wenn mehrere der obigen Faktoren zutreffen, sollte die Sturzgefahr durch eine Ärztin/einen Arzt oder eine Pflegefachperson abgeklärt werden. Die wichtigsten Risikofaktoren für einen Sturz sind personenbezogen (intrinsisch). So liegt bei mangelnder Kraft das Sturzrisiko 4,5-mal höher, bei einem Gleichgewichts- oder Gangdefizit je rund 3-mal. Zu intrinsischen Risikofaktoren gehören auch plötzliche Erkrankungen, Bewusstseinsverluste, Verwirrtheitszustände, Desorientierung, Sprachstörungen. Zu weiteren Ursachen von Stürzen zählen extrinsische (in der Umwelt begründete) und verhaltensbedingte Risikofaktoren.
 

Stolperfallen eliminieren

In der Wohnumgebung lassen sich Sturzfallen oft mit einfachen Mitteln eliminieren:
 
  • für helle Lichtverhältnisse sorgen
  • Hindernisse auf Gehwegen und Treppen wegräumen, Teppiche entfernen oder mit Gleitschutzmatten unterlegen
  • vielbenutzte Gegenstände wie Telefon und Lichtschalter sollten gut erreichbar sein
  • greifbare Handläufe bei Treppen und Haltegriffe im Bad montieren
  • instabile Möbel ersetzen
  • auf rutschsichere Böden achten
Kernstück der Sturzprävention der Rheumaliga Schweiz ist der Hausbesuch. An den Kosten für die einmalige Intervention mit Nachkontrolle beteiligen sich gegenwärtig fünf grosse Schweizer Krankenversicherungen nach Kostengutsprache ganz oder teilweise. Organisationen wie die Spitex helfen, den Wohnbereich sicherer einzurichten.
 

Kraft und Gleichgewicht trainieren

Mit dem Älterwerden lassen nicht nur Sehkraft und Gehör nach, sondern auch Kraft und Gleichgewichtssinn. Mit einem gezielten Training lassen sich Kraft und Körpergefühl/Gleichgewicht nachweislich verbessern – beispielsweise mit Taiji, Qigong, der Feldenkrais-Methode, Kreis- und Volkstänzen, Pilates, Yoga, Altersturnen. Angebote vermitteln u.a. Institutionen wie Pro Senectute, Rheumaliga Schweiz, physioswiss, Turnverbände und der Schweizerische Fitness- und Gesundheitscenter Verband.
 
Wichtig ist die Freude an einem gewählten Angebot. Eine kompetente Lehrperson hilft zudem, die Übungen optimal den eigenen Voraussetzungen anzupassen. Das Üben in einer Gruppe bringt zudem willkommene soziale Kontakte, was sich auch fördernd auf die Motivation auswirkt.
 

Auf gesunde Ernährung achten

Wer optimal von einem Training profitieren möchte, sollte auch auf eine gesunde Ernährung achten. Oft lohnt es sich, die Hilfe einer Ernährungsberatung in Anspruch nehmen. Denn oft geht vergessen, dass mit dem Älterwerden die Zufuhr von Proteinen, Calcium oder bestimmten Mikronährstoffen besonders wichtig ist.
 
«Um der Entstehung von Übergewicht und im fortgeschrittenen Alter dem Risiko für Nährstoffmangel und dem Verlust der fettfreien Masse entgegenwirken ... empfiehlt sich eine Ernährung mit geringer Energie- aber hoher Nährstoffdichte, die zudem die Anstiege des Blutzuckers geringhält, Blutfette günstig beeinflusst und zur Erhöhung des antioxidativen Potenzials beiträgt», so Prof. Dr. Monika Neuhäuser-Berthold vom Institut für Ernährungswissenschaft der Justus-Liebig-Universität. Tipps zur gesunden Ernährung im Alter finden sich auch beim Informationsdienst der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE 
> Merkblatt «Ernährung für ältere Erwachsene»
 

Sturz-Impfung, Schuhwerk und Notrufsystem

Zu einer Sturzprophylaxe gehört auch das Tragen von «geeigneten» (Haus-)Schuhen. Eine wirksame, aber noch wenig bekannte Sturzprophylaxe sind Sturz-Impfungen – ein- bis mehrmalige Sessions, bei denen bewusst ein Sturz simuliert wird. Bei Personen mit hohem Sturzrisiko lohnt sich auch das Einrichten eines Notrufsystems, mit dem Hilfskräfte alarmiert werden können.
 

Programm zur Sturzprävention der Rheumaliga Schweiz

Die Sturzprävention der Rheumaliga Schweiz ist kein Dauerprogramm, sondern eine einmalige Intervention mit Nachkontrolle. Kernstück ist der Hausbesuch. Gerne kann eine angehörige Person oder ein Spitex-Mitarbeiter dabei anwesend sein.
 

bfu

Sturzprävention ‒ Links für Fachleute
 

Patientensicherheit Schweiz

Orientierungshilfe und Empfehlungen für:
 
  • stationäre Gesundheitsinstitutionen
  • Einrichtungen der Langzeitbetreuung
  • Institutionen der primären Gesundheitsversorgung (Spitex und Hausärzte)

> Download  Broschüre

 

Kampagne «sicher stehen – sicher gehen» 

Wir alle wünschen uns, lange mobil und unabhängig zu sein und zu bleiben. Das richtige Training für mehr Kraft, Gleichgewicht und Dynamik kann uns dabei helfen. Auf sichergehen.ch finden Sie über 1500 Kurse und Übungen für zu Hause. Die Kampagne «sicher stehen – sicher gehen» wird unterstützt von den Hauptpartnern bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung, Pro Senectute und Gesundheitsförderung Schweiz. bfu, bpa, upi
 

Kampagne «stolpern.ch» der Suva

  • Stolpern und Stürzen ist die häufigste Unfallursache in der Schweiz
  • ein Viertel der Unfälle geschehen auf Treppen
  • in den Wintermonaten passieren mehr Unfälle als in den Sommermonaten
  • das umfassende Präventionsangebot der Kampagne «stolpern.ch» zeigt Wirkung in den Betrieben
 

Sturzprävention – SturzZentrum Schweiz

 
 
 

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